Pläne für Gedenkstätte in der Villa von Remarque

Das Tessin ist nicht gerade bekannt für einen besonders ausgeprägten Schutz seiner historischen Bauten. Etliche Hotels und Villen aus dem 19. Jahrhundert kamen in den letzten Jahren zum Entsetzen der Heimatschützer mit der Abrissbirne in Kontakt. Vor diesem Hintergrund erstaunt es, welch hohe Wellen die ungewisse Zukunft der Villa Monte Tabor am Lago Maggiore wirft. Zumal die Liegenschaft aus kunsthistorischer Sicht bedeutungslos ist (in der über 600 Seiten umfassenden Guida d’arte della Svizzera italiana aus dem Jahre 2007 wird sie mit keinem Wort erwähnt). Trotzdem hat die Tessiner Kantonsregierung kürzlich 100 000 Franken für den Erhalt der Villa gesprochen, in der einst der deutsche Schriftsteller Erich Maria Remarque (1898–1970) lebte. Die 664-Einwohner-Gemeinde Ronco sopra Ascona sowie die Stiftung Pro Ronco steuerten ebenfalls je 50 000 Franken bei. So kamen innerhalb einer Woche 200 000 Franken zusammen. Damit hat sich die öffentliche Hand für die Dauer von einem Jahr ein Vorkaufsrecht für die Liegenschaft gesichert.

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Erfolg dank Kinofilm?

Diese gehört einem amerikanischen Ehepaar, das sich aus finanziellen Gründen zu einem Verkauf genötigt sieht. Es hat die Immobilie mit dem weitläufigen Umgelände für 6 Millionen Franken zum Verkauf ausgeschrieben. Normalerweise sähe das Drehbuch folgendermassen aus: Ein Spekulant erwirbt die Villa, reisst sie ab und ersetzt sie durch einen viel grösseren Neubau mit Appartements. Doch diesmal soll es anders kommen. Die Gemeindebehörden von Ronco möchten das Gebäude in eine öffentlich zugängliche Stätte der Erinnerung an Remarque verwandeln. Dieser hatte sich das Gebäude am Seeufer aus dem Erlös seines Antikriegsromans «Im Westen nichts Neues» erworben. Von den Nazis als Vaterlandsverräter verschrien, verbrachte Remarque zwischen 1933 und 1939 sein Exil am Lago Maggiore, ehe er für einige Jahre in die USA emigrierte. 1958 heiratete er die Schauspielerin Paulette Goddard, die frühere Ehefrau Charlie Chaplins, mit der er bis zu seinem Tod im Tessin lebte.

Aus dieser glamourösen Episode möchte auch die Lega dei Ticinesi Kapital schlagen – jene Partei, die das im Bau befindliche Kultur- und Kunstzentrum in Lugano seit Jahren als Geldverschwendung bekämpft. Die Villa Monte Tabor könne zu einer touristischen und kulturellen Attraktion avancieren, prophezeit Lega-Grossrat Lorenzo Quadri, ein Mitglied der Luganeser Stadtregierung. Wenn das Tessin diese Gelegenheit verpasse, dann wäre dies ein schwerer Verlust. Quadri geht davon aus, dass das Interesse an Remarque in den kommenden Jahren durch die geplante Neuverfilmung von «Im Westen nichts Neues» mit Daniel Radcliffe in der Hauptrolle stark steigen wird.

Geld gesucht

Bei aller Euphorie gibt es aber auch kritische Stimmen. Der ehemalige FDP-Präsident Pier Felice Barchi mokierte sich in einem Kommentar über das Tessin der Übertreibungen. Die Erfahrungen mit den vielen Museen im Kanton zeige, dass diese nie selbsttragend seien. Dafür seien die Besucherzahlen schlicht zu gering. Barchis Fazit: Die 100 000 Franken des Kantons sind mit grösster Wahrscheinlichkeit zum Fenster hinausgeworfenes Geld. – Die Promotoren der Remarque-Gedenkstätte haben nun ein Jahr Zeit, den Gegenbeweis anzutreten und 6 Millionen Franken aufzutreiben sowie ein nachhaltiges Museumskonzept auszuarbeiten. Sonst wird die Liste mit den abgerissenen Villen wohl um ein Objekt erweitert, was böse Zungen zur Feststellung verleiten könnte: «Im Süden nichts Neues.»

Quelle: www.nzz.ch

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