Im Tessin dürfen über 11’000 Rustici ausserhalb der Bauzonen nach strengen Kriterien in Ferienhäuschen umgewandelt werden. Das Kantonsparlament hat am Dienstag einen entsprechenden Nutzungsplan mit 73 zu 3 Stimmen gutgeheissen.
Rechtskräftig ist die Vorlage allerdings noch nicht. Denn gegen den Entscheid kann beim kantonalen Verwaltungsgericht Einsprache erhoben werden. Abzuwarten bleibt, ob das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) von dieser Möglichkeit Gebrauch machen wird.
Zwischen dem Bund und dem Kanton Tessin ist es in der Vergangenheit wegen der Rustici-Frage immer wieder zu Spannungen gekommen.
Der Bund sich an der fehlenden Rechtsgrundlage für die Umnutzung von Rustici. Das ARE erhob deswegen seit Januar 2009 systematisch Einsprache gegen jedes Gesuch für einen Rustico-Umbau. Dadurch wurde faktisch eine Rustici-Blockade verhängt.
Die vom Grossen Rat abgesegnete Vorlage anerkennt nun 12’600 Rustici ausserhalb der Bauzonen als schützenswert. Während davon über 11’000 in Ferienhäuschen umgewandelt werden dürfen, können 1500 nur für landwirtschaftliche Zwecke verwendet werden.
Vielen Rustici droht den Verfall
Diese Einschränkung wurde im Parlament heftig kritisiert. Cleto Ferrari (Lega) beispielsweise wies darauf hin, dass die meisten dieser 1500 Gebäude heute zu Lagerzwecken verwendet würden.
Wenn man sie nicht umnutzen dürfe, sei niemand bereit, Geld in diese Objekte zu investieren. Deshalb drohe diesen Rustici, die sich oft in der Nähe von Dorfkernen befinden würden, der Verfall, sagte Ferrari.
Giorgio Pellanda (FDP), der Präsident der Gemeinde Centovalli, bezeichnete diese Aussicht als kulturelle Tragödie. Er warf den Bundesbehörden Arroganz vor: «Bern will die besondere Situation des Tessins nicht anerkennen.»
Borradori hofft auf Ende des Konflikts
Umweltdirektor Marco Borradori (Lega) wiederum betonte, dass in den vergangenen Jahren auch die Tessiner Fehler begangen hätten. Es bestehe die Gefahr, dass in den kommenden Jahren einige illegal umgebaute Rustici abgerissen werden müssten.
Den Nutzungsplan bezeichnete er als Meilenstein: «Wir haben damit mehrere Schritte gemacht, um das Verhältnis zu Bern zu verbessern.» Sollte der Bund jedoch sein Veto dagegen einlegen, «dann würde die Konfliktphase weiter andauern», sagte Borradori.
Quelle: Zürcher Unterländer